8. 9. 1999
Um 13.00 h kommen wir nach einigem Suchen im Königlichen Marine Yachthafen den Helder an. Dort liegt die "Jever Pils", eine 12m lange Stahlyacht mit der Besonderheit eines aufholbaren Schwertes, so dass sie sich besonders für Fahrten in Tidengewässern eignet. Jochen, unser Skipper, den wir bereits seit längerem kennen, wartet schon auf uns. Damit besteht die gesamte Crew aus vier erfahrenen Seglern. Es ist sonnig und sehr warm. Wir verstauen unsere Ausrüstung an Bord und machen es uns zunächst einmal gemütlich. Als erstes wird der Laptop ausgepackt und an die vorhandene Empfangsanlage angeschlossen. Alles funktioniert problemlos. Wir nehmen die 5-Tage Vorhersage des DWD für die Nordsee um 13.35 Uhr (147,5 kHz) auf. Der Empfang ist ungestört. Anschliessend nehmen wir um 14.10 Uhr die Faxkaten des Senders Northwood (England) auf. Diese Faxkarten zeichnen sich dadurch aus, dass sie neben der Wetterlage und den Vorhersagen für die nächsten zwei Tage auch ein Satellitenbild enthalten. Dadurch fällt die Interpretation der Faxkarten etwas leichter. Die Qualität ist gut.
Gegen 16.00 Uhr laufen wir nach Oude Schield auf Texel aus. Wenigstens einen kurzen Schlag, um sich wieder ans Schiff zu gewöhnen, wollen wir bei dem schönen Wetter unternehmen. Mit auflaufendem Wasser und achterlichem Wind geht es nach Norden. Gegen 17.30 laufen wir in Oude Schield ein. Es gibt reichlich Liegeplätze im Hafen. Ein Vorteil der (beginnenden) Nachsaison, den wir auch in allen anderen Häfen zu spüren bekommen sollten. Hier hat das High-Tech Zeitalter schon Einzug gehalten - es gibt einen Automaten, mit dessen Hilfe man die Liegeplatzgebühr entrichten kann. Man gibt Länge des Schiffes, Zahl der Crew-Mitglieder ein und es erscheint der zu zahlende Betrag, den man dann einwirft. Die frühe Ankunft in Oude Schield ermöglicht es uns, in aller Ruhe noch einmal Fax-Wetterkarten zu empfangen. Dieses Mal entscheiden wir uns für den DWD. Ab 20.10 empfangen wir die Wetterlage sowie die Vorhersagekarten für die nächsten Tage in guter Qualität.
Die Faxkarten von Northwood und dem DWD zeigen übereinstimmend ein Sturmtief südlich von Irland sowie eine dazugehörige mächtige Kaltfront. Diese Kaltfront soll morgen um 12.00 h genau die niederländische Küste erreichen. Da müssen wir also durch. Danach soll sich dann aber Hochdruckeinfluss durchsetzen. Diese Entwicklung spiegelt auch die Funkfernschreib-Vorhersage wider. Am Donnerstag früh zunächst S-SW 6, anschliessend (nach Durchgang der Front) W-NW 4-5. Ab Freitag dann Wind aus E bis SE.
Auf der Basis dieser meteorologischen Informationen entschliessen wir uns, am nächsten Tag Kurs auf England zu nehmen. Als erster Hafen ist Lowestoft an der englischen Ostküste vorgesehen. Zugleich hoffen wir, dass im weiteren Verlauf des Törns der Wind auf die "übliche" W-SW Richtung drehen wird und uns dann an der Festlandküste entlang zurückschiebt.
9. 9. 1999
Als wir aufstehen, ist es diesig und die Sonne steht leuchtend rot kurz über dem Horizont. Der Eindruck ist sehr schön, aber eigentlich wissen wir, dass dies nichts Gutes bedeutet. Wenn die Sonne morgens nicht schnell gelb wird, deutet dies eher auf eine Wetterverschlechterung hin. Den Wetterbericht von NDR4 um 8.30 können wir - wenn auch nur schwach - empfangen. Um 9.09 Uhr laufen wir aus - Kurs England. Zunächst laufen wir unter Motor, da der Wind aud SW und damit fast genau gegenan steht. Wir fahren die betonnte Fahrrinne bis zur Ansteuerung den Helder. Dann geht es mit Kurs etwa 250 Grad auf die Nordsee. Südlich vom Verkehrstrennungsgebiet OFF TEXEL queren wir den Tiefwasserweg. Der Wind kommt aus NW, so dass wir segeln können. Nach einer Stunde sieht man aber bereits die Kaltfront auf uns zukommen. Die Sonne verschwindet hinter den Wolken und es wird kühler. Um 11.05 empfangen wir den Wetterbericht des DLF/DLR auf 6005 kHz klar und deutlich. Für heute wird NW 4, später NE gemeldet. Morgen soll es dann zunächst NE 4, später E - SE 4 geben. Also keine aktuellen änderungen gegenüber unseren bekannten Informationen. Passt eigentlich alles. Um 15.00 Uhr sieht man in der Ferne bereits wieder den blauen Himmel und damit das Ende der Kaltfront, deren Vorder- und Rückseite fast wie mit dem Messer geschnitten erscheinen. Um 16.00 Uhr warten wir aber noch immer auf die Winddrehung über N nach NE. Um 17.00 Uhr ist es dann soweit, der Wind dreht auf Nord und die Sonne scheint wieder.
Wir fahren einem wunderschönen Sonnenuntergang entgegen. Ein schöner roter Sonnenuntergang, der eigenlich gutes Wetter für den nächsten Tag verspricht. Es geht in die sternenklare Nacht. Auf den Tiefwasserwegen, die wir im Laufe der Nacht queren, herrscht vergleichsweise wenig Betrieb. In der Nacht verzichten wir auf den Empfang des Wetterberichts mit dem Laptop, um die Freiwache in ihrem kurzen Schlaf nicht zu stören. Da wir nur zu viert sind, wird es eine harte Nacht. Ich habe von 20.00 - 0.00 Uhr und von 4.00 - 8.00 Uhr Wache. Die vier Stündchen Schlaf dazwischen fallen kaum ins Gewicht. Um 21.05 empfangen wir auf Höhe des Brown Ridge aber noch den Seewetterbericht des DLF/DLR, der auf allen Frequenzen (177, 1269 und 6005 kHz) störungsfrei hereinkommt. Für den nächsten Tag wird für die südwestliche Nordsee weiterhin NE 4 vorhergesagt. Das passt gut. Nachfolgend soll er dann auf E bis SE schwenken. Also nichts grundsätzlich Neues. Passt auch alles zu unserem Generalkurs von etwa 250 Grad.
10. 9. 1999
Bei Sonnenaufgang ist es zunächst bewölkt. Aber am frühen Vormittag klart es langsam auf. Die Sonne kommt heraus. Leider haben wir kaum noch Wind, so dass der Motor mitläuft. Daher ist um 8.30 Uhr auch der Seewetterbericht von NDR4 nicht zu empfangen. Die Störgeräusche des Motors sind zu stark. Doch um 11.05 empfangen wir DLF/DLR ohne Probleme. Für heute wird SE 4, abnehmend 3, für morgen SE-S 4 gemeldet. Damit hätten wir dann zunächst mal den ungeliebten SE fast gegenan für die geplante Weiterfahrt nach Süden.
Mittlerweile haben wir uns Lowestoft auf einige Meilen genähert. Herrlicher Sonnenschein, schönstes Wetter. Doch kurz vor der Hafeneinfahrt plötzlich das, was man von England erwartet - (Hoch-) Nebel. Die Sonne ist zunächst einmal verschwunden. Um 13.00 Uhr laufen wir in die Marina ein. Am Steg für Visitors sind noch reichlich Plätze vorhanden. Die Schwimmstege, die mit Licht- und Wasseranschlüssen ausgerüstet sind, sehen noch relativ neu aus. Die Marina selbst ist in Ordnung, liegt aber in einer bescheidenen Umgebung. Man liegt zwischen der Werft und der Stadt, der man beim besten Willen nicht viel abgewinnen kann. Auch der Badestrand liegt gleich nebenan. Oberhalb des Strandes gibt es eine Promenade mit verschiedenen Vergnügungsmöglichkeiten - ein typisches aber kein nobles englisches Seestädtchen. Von Bad kann keine Rede sein. Für die Liegezeit wird man hier Mitglied des Royal Yacht Clubs.
Die 5-Tage Vorhersage um 13.35 auf 147,5 kHz ist stark gestört - Empfang unmöglich. Wir empfangen um 14.10 Uhr Northwood Fax auf 8441 kHz. Dafür, dass der Sender recht nah ist, haben wir einen lausigen Empfang - vielleicht auch deshalb? Aber auf den anderen Frequenzen wird es auch nicht besser. Doch es geht. Die relevanten Druckgebilde und Isobaren sind noch zu erkennen. Die Wetterlage sieht zunächst noch ganz gut (wolkenlos) aus. Aber bei Island erkennt man bereits das nächste Sturmtief mit der entsprechenden Kaltfront, die sich weit nach Süden zieht. Da bleiben wir sicherlich nicht verschont. Sonntag soll es losgehen. Und das nächste Tief liegt schon vor Irland und verlagert sich in unsere Richtung. Montag und Dienstag scheint die Front dann weitgehend stationär über uns zu liegen. Na, schöne (Wetter-) Aussichten.
Anschliessend gehen wir in die Stadt. Wir kaufen die IMRAY Seekarte Y16 vom River Orwell und Umgebung, unsem nächsten Ziel. Am Abend gehen wir früh schlafen, weil wir noch von der Nachtfahrt geschafft sind. Deshalb nehmen wir auch nicht die Fax-Karten vom DWD ab 20.10 Uhr auf.
11. 9. 1999
Wir wollen gegen 9.30 auslaufen. Wir haben einen herrlichen Sonnenaufgang im Dunst. Dann wird es typisch englisch - nämlich neblig. Wir warten daher mit dem Auslaufen bis 10.00 Uhr. Wir melden uns über Kanal 14 bei Habour Control ab und erhalten grünes Licht zum Auslaufen. Wind aus SW - also genau gegenan, so dass wir zunächst motoren. Hoffen auf die Winddrehung auf E-NE, die im Clubhaus von Lowestoft angekündigt war. Um 11.05 wie üblich der Empfang des Seewetterberichts von DLR/DLF - wie immer ohne Probleme. Leider bleibt es den ganzen Tag dunstig und nur schwach windig. Die dadurch erzeugte Stimmung ist zwar ganz reizvoll, aber das einzige, was wir von der Küste schemenhaft sehen ist der Leuchtturm Orford Ness.
Problematisch wird der Dunst erst, als wir die Ansteuerung von Harwich erreichen. Dort herrscht reger Verkehr der Grossschiffahrt. Um auf den empfohlenen Yacht-Track zu kommen, queren wir das Fahrwasser vor der Ansteuerungstonne und bleiben dann knapp ausserhalb der backbordseitigen Fahrwasserbegrenzung. Wir fahren an den roten Tonnen entlang. Rechts liegen grosse Krananlagen, voraus liegt Harwich. Im Dunst des Abendlichts wirkt die ganze Umgebung trotzdem schön. Gegen Abend wird es auch etwas klarer. Nachdem wir das Fahrwasser vor Harwich gequert haben, fahren wir den River Orwell hinauf bis zur Suffolk Marina. Auf einmal ist eine Vielzahl von Seglern um uns herum. Wir fahren bei Niedrigwasser in die Marina und bekommen vom Hafenmeister bei der Einfahrt durch Zuruf den Platz 206 angewiesen. Wir bezahlen zunächst 15 Pfund. All inclusive - wie der Hafenmeister betont! Doch schon bald stellen wir fest, dass Strom nicht im Preis enthalten ist. Für weitere 3 Pfund erhalten wir auch die Freigabe für den Strom. Ab 20.10 Uhr empfangen wir die Faxkarten des DWD in guter Qualität. Zwei Fronten werden angekündigt. Seit nachmittags war auch bereits typische Aufzugsbewölkung zu erkennen (Cirrus). Es gab sogar "Regenbogen" um die Sonne, was ich vorher nie gesehen hatte. Sah toll aus. Als wir in die Marina eingelaufen hat man bereits den Eindruck, die Front kommen zu sehen.
Nach dem Abendessen gehen wir noch in den Yacht-Club. Ein altes Feuerschiff, Baujahr 1939, aber sehr stilvoll. Zur Überraschung gibt es Warsteiner Bier. Nur am Geschmack wäre das aber nicht zu erkennen gewesen.
12. 9. 1999
Wegen der ablaufenden Tide stehen wir bereits um 7.00 Uhr auf. Wir erleben wiederum einen tollen Sonnenaufgang. Vor der Hafeneinfahrt liegen zahlreiche Segler an Mooringtonnen. Sie sehen aus wie an der Perlenschnur aufgereiht. Schon knapp eine Stunde nach dem Auslaufen hat uns die Front dann aber doch erwischt. Es zieht sich zu, bis es grau in grau aussieht. Glücklicherweise gibt es aber keinen Regen. Um 11.05 Uhr hören wir wieder den obligatorischen Wetterbericht des DLR/DLF auf 6005 kHz.
Die Wolken werden zunehmend heller und gegen 11.30 Uhr kommt sogar die Sonne wieder heraus. Hoffentlich verlässt uns dann nicht gleich der Wind, denn seit dem Fahrwasserknick in Harwich (Kurs E) segeln wir. Wir sehen nur noch leichte Cirrus-Bewölkung über uns. Es wird immer klarer. Auf dem Fahrwasser von und nach Harwich herrscht reger Verkehr. Wir halten uns wieder knapp ausserhalb (südlich) des Tonnenstrichs. Schon bald sehen wir auch den ebenfalls sehr dichten Verkehr in der Themsemündung. Der Wind kommt mittlerweile aus SW und frischt ordentlich auf (bis 26 kn). Wir haben zu kämpfen, um nach Süden zu kommen. Wir laufen zunächst noch etwas weiter in die Themsemündung hinein, um in der Landabdeckung vor Wind und Strom etwas geschützt dann nach Süden aufzukreuzen. Langsam nähern wir uns Ramsgate. Auch hier queren wir zunächst das Fahrwasser, um auf den recommended Track for Yachts zu kommen und laufen dann südlich des Tonnenstrichs gegen 18.00 Uhr in den Vor-Hafen ein.
Der Vor-Hafen - obwohl "Royal" - sieht eher schäbig aus. Man liegt gleich vor der "Promenade". Weil Sonntag ist, entschliessen wir uns aus essen zu gehen. Es gibt Fish & Chips. Anschliessend gehen wir in einen kleinen Pub (nach etwa 200 m in der kleinen Fussgängerzone nördlich vom Hafen), wo eine Zwei-Mann Band Life-Musik "produziert". Es wird von Twist bis Aktuell alles geboten, und das ganz ohne Pause. Die einheimischen Gäste sind begeistert - wir auch. Auf dem Rückweg sieht die nun hell erleuchtete Promenade ganz idyllisch aus. In der Nacht herrscht ein elender Schwell im Hafen. Rum und Gläser fliegen durchs Schiff. Skipper Jochen flucht lauthals. Der Grund für diese unruhige Nacht bleibt unklar. War es die Fähre im Nebenbecken oder auslaufende Fischer?
13. 9. 1999
Als wir aufstehen, regnet es - und wie. Cats und Dogs wie der Engländer zu sagen pflegt. Den Weg zur Dusche hätten wir uns sparen können. Als wir dort ankommen, sind wir bereits weitgehend durchnässt. Die Promenade wirkt nun noch trister als gestern beim Einlaufen. Es donnert. Wir entschliessen uns, die weitere Wetterentwicklung abzuwarten.
Gegen Mittag klart es langsam auf und wir legen gegen 13.00 Uhr ab - Kurs Dünkirchen. Wir müssen das Verkehrstrennungsgebiet DOVER STRAIT am östlichen Kanalausgang queren. Im rechten Winkel, versteht sich. Anschliessend wollen wir innerhalb der Küstenverkehrszone am Festland entlangsegeln. Glücklicherweise ist wesentlich weniger Verkehr als erwartet und befürchtet. Vor allem ist die Sicht gut. Vor uns über dem französischen Festland blitzt es noch. Hinter uns klart es aber zunehmend auf. Um 11.05 empfangen wir DLR/DLF. Der angesagte NW-Wind weht aber nur kurz, dann müssen wir motoren. Um 12.35 empfangen wir noch den DWD (147,5 kHz), denn wir wollen die angekündigte 2-Tage Vorhersage aufnehmen. Der Empfang ist auch gut. Es wird aber nur der übliche Seewetterbericht gesendet, den wir bereits um 11.05 Uhr in gesprochener Form aufgenommen haben. Also nichts Neues. Umlaufend 2-4, strichweise diesig. Da wir aus dem Hafen motoren, gibt es nichts mit der 5-Tage Vorhersage. Um 18.05 Uhr wird auch motort, also wieder nichts mit dem Empfang von Funkfernschreiben. Vielleicht morgen.
Der Strom gegenan wird immer stärker, so dass es zur Nachtansteuerung von Dünkirchen kommt. Die Umgebung von Dünkirchen erinnert an Bayer Leverkusen. Der Geruch auch. Wir laufen gegen 22.00 Uhr in Dünkirchen ein. Wir hatten schönes Abendrot. Aber am Horizont war auch schon die nächste Front zu erkennen. Mal schauen, was das Wetter morgen bringt.
14. 9. 1999
Während der Nacht hat es bereits geregnet. Ausserdem haben ein- und auslaufende Fischerboote - die gleich nebenan liegen - für erheblichen Schwell gesorgt. Als wir aufstehen, regnet es immer noch. Sch... Wetter! Um 9.45 Uhr empfangen wir die Faxkarte des DWD zur aktuellen Wetterlage. Wir wollen genau wissen, wodurch dieses grausige Wetter verursacht wird. Wieder einmal zieht eine Kaltfront genau über uns hinweg. Der Tiefkern liegt bei den Hebriden. Davor liegt noch eine Front, die zu einem Tief über Belgien gehört, uns aber nicht (mehr) betrifft. Nach dem Frühstück lässt der Regen nach, dafür wird es aber immer nebliger. Trotzdem starten wir um 11.00 Uhr den ersten Auslaufversuch. Vor der Hafeneinfahrt ist kaum noch eine Tonne zu erkennen. Erschwerend kommt hinzu, dass wir keine Detailkarte von diesem Seeraum haben. Wir entschliessen uns daher umzukehren. Wir legen nun im stadtnäheren Yachthafen an und beschliessen, an Land zu gehen. Als erstes kaufen wir eine entsprechende Seekarte für das Seegebiet Dünkirchen - Oostende - unser heutiges Ziel, wenn wir später noch auslaufen können. Unser eigentliches Ziel Vlissingen ist bereits dem Nebel zum Opfer gefallen. Dann gehts in die Stadt. Wir kaufen einige Kleinigkeiten. Die Stadt ist nicht so einladend, dass man gerne länger hierbliebe. Als wir zum Schiff zurückkommen, hat sich der Nebel etwas gelichtet und wir entschliessen uns - unterstützt durch die neue Karte - , ein zweites Mal auszulaufen.
Die Sicht ist zwar immer noch begrenzt, aber mit der neuen Karte und dem GPS finden wir die Tonnen problemlos. Es ist unheimlich schwül. Gegen 20.00 Uhr erreichen wir die Hafeneinfahrt von Oostende. Wir müssen allerdings noch etwas warten. Ein orangenes Funkelfeuer neben der sonstigen Befeuerung signalisiert Fährverkehr und damit Einlaufverbot. Nachdem die Zufahrt freigegeben ist, laufen wir in den Hafen ein. Wir nehmen die Marina gleich am Eingang rechts. Platz genug. Wir machen uns landfein und schlendern über die Promenade, die unmittelbar "vor" uns liegt. Welch ein Unterschied zu Dünkirchen. Hotel neben Hotel und Restaurant neben Restaurant. Eine richtige Nobelmeile. Und zur Linken die Yachten - nur vom Feinsten. Wir nehmen noch ein Bier als Schlaftrunk. Für die erste Runde bezahlen wir 50 FF, für die zweite 5 br. Pfund. Traumkurse - aber wir haben Durst und keinen Geldautomaten gefunden, an dem wir noch bFr. ziehen konnten. Die Nacht ist ruhig. Nur einmal werden wir durch das (Nebel- ?) Horn einer Fähre geweckt. Aber weniger Schwell als in Dünkirchen.
15. 9. 1999
Wir schlafen bis 8.45 Uhr. Das erste Mal, dass länger als 8.00 Uhr geschlafen wurde. Es regnet schon wieder - und zu Hause ist schönes Wetter. Wir kaufen noch ein und um 11.15 gehts raus. Kurs Scheveningen. Das wird lang. Um 11.05 Uhr hören wir noch unseren obligatorischen Wetterbericht. Fax und RTTY war im Hafen nicht zu empfangen. Da wir segeln können, nehmen wir um 13.35 die 5-Tage VHS des DWD in guter Qualität auf. Für die beiden nächsten Tage wird Wind aus S bis SW 4-5 vorhergesagt. Demnach können wir segeln.
Es geht weiter. Gegen 15.00 Uhr hört es endlich auf zu regnen. Das Wetter ist zwar nicht gut, aber wenigstens besser. Langsam nimmt der Strom auch zu unseren Gunsten zu. Die Sicht wird auch besser. Gegen 22.00 Uhr nähern wir uns der Einfahrt zum Europort. Die grossen Pötte gehen wie an der Perlenschnur aufgereiht rein und raus. Das ist der mit Abstand dichteste Schiffsverkehr, den wir auf der bisherigen Reise erlebt haben. Schiffe und Tonnen ergeben zusammen ein imposantes Lichtermeer. Die Querung gelingt auf dem empfohlenen Durchfahrtsweg problemlos. Nun gehts die restlichen Meilen nach Scheveningen. Kurz vor der Einfahrt "verhungern" wir fast, weil der Strom nun gegenan setzt. 0.30 Uhr legen wir an. Jetzt haben wir uns das Einlaufbier redlich verdient.
16. 9. 1999
Zunächst wird etwas länger geschlafen. Als wir aufstehen, scheint endlich mal wieder die Sonne. Und wir haben Wind und noch dazu aus der richtigen Richtung. Zunächst geht es in die Stadt und auf die Promenade. Man merkt aber deutlich, dass die Nachsaison begonnen hat. Es ist nicht mehr viel los. Viele Stände sind geschlossen. Scheveningen ist der erste Hafen, in dem wir unseren Wetterbericht um 11.05 wegen starker Störungen nicht empfangen können. Während des Landgangs lassen wir den PC laufen und nehmen die 5-Tage VHS des DWD um 13.35 auf. Mit S bis SW 4-5 hat sich im Prinzip nichts an der gestrigen Vorhersage geändert.
Kurz nach 15.00 Uhr laufen wir aus. Heute ist ein vergleichsweise kurzer Schlag nach Ijmuiden geplant. Sonne, Wind und Welle - alles ist vorhanden. Langsam gehts an der niederländischen Küste entlang nach NNE. Der Wind bläst ordentlich und wir machen nur mit der Genua gute Fahrt. Ausserdem baut sich ein ordentlicher Wellengang auf. Manchmal denkt man zu surfen, so geht es die Wellenberge hinunter. Wir sind froh, als wir den südlichen Wellenbrecher der Hafeneinfahrt erreicht haben. Auf der Steuerbordseite erscheinen schon bald die Hafenfeuer der Seaport Marina.
Eine Riesenmarina im High-Tech Stil erwartet uns. Nur der Liegeplatz wird in der Einfahrt vom Hafenmeister per Zuruf zugeteilt. Die Anmeldung erfolgt dann später PC-gesteuert. Es stehen ferner Computer-Ausdrucke mit den letzten Fax-Karten und Wetterberichten zur Verfügung. Auch zu solch später Stunde. Wer weiss, ob das in der Haptsaison auch so ist. Die sanitären und sonstigen Anlagen sind vom Feinsten. Man merkt, dass die Marina erst vier Jahre alt ist und mächtig investiert wurde.
17. 9. 1999
Unser letzter Tag. Wir stehen früh auf - wegen der Tide. In der Nacht hat esast) ganz weg. Kaum sin wir aus der Haupteinfaht heraus, da regnet es, dass man die Hand vor Augen nicht mehr sieht. Nach einer halben Stunde klart es dann aber glücklicherweise auf. Wir haben heut zum ersten Mal den Wetterbericht um 11.05 Uhr verpasst. Macht aber nichts, da wir ja die 5-Tage VHS von gestern haben. Wind und Wetter werden zunehmend besser, so dass wir zum Abschluss noch mit Gross und Genua segeln können. "Sonnensegeln". Gegen 13.30 erreichen wir die Ansteuerung von den Helder. Kurz nach 15.00 Uhr laufen wir ein. Ein schöner Törn ist beendet und unsere Wetterempfangsanlage hat ihre Feuertaufe mit Bravour bestanden.
Dieter Smeets