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Titel:
Ghost in the Shell (Kôkaku Kidô-Tai)
Produktion: © 1995 Masamune Shirow/ Kodansha
Ltd./Bandai Visual Co., Ltd./ Manga Entertainment Ltd.
Spieldauer: 79 min
Version: dubbed, PAL, 15
Distributor: © 1996 Kodansha
Ltd./Bandai Visual Co., Ltd./ Manga Entertainment Ltd.
Review 003, vom 19. 02. 00
Aus aktuellem Anlass,
hier meine Review zu diesem Anime, da er bei der diesjährigen Berlinale, im
Rahmen der Retrospektive zum künstlichen Menschen, gezeigt wurde.
Das ist er also der
große Superfilm, der Cyberpunk-Paradefilm, die gewaltige High-Budget-Produktion
(zumindest für Animeverhältnisse), aber ich will nicht alles vorweg nehmen und deswegen erst mal eine kurze
Inhaltsangabe. Worum geht ´s in diesem Film ? Er beginnt, indem einem, in
schriftlicher Form, mitgeteilt wird, dass in naher Zukunft, die globalen
Computernetzwerke zu mehr taugen, als zur Verbreitung von Werbung, Pornographie
oder irgendwelcher Spartenthemen. Leider haben diese perfektionierten Bedingungen zur Kommunikation
aber auch nicht dafür gesorgt, dass sich Ländergrenzen oder andere Vorurteile, ethnischer
Art, aufgelöst hätten. Die Handlung beginnt mit einem Spezialeinsatz, der verhindern
soll dass, durch einen ehemalig staatlichen Programmierer, Informationen über
ein Projekt namens 2501 in die Hände einer ausländischen Regierung gelangen.
Die Sektion 6, für äußere Angelegenheiten, ist gerade dabei mit ihrem SWAT
- Team die Unterhaltung, zwischen dem Botschaftsangehörigen und dem
Programmierer, auffliegen zu lassen. Das gestaltet sich aber als schwierig, da der
Botschaftsangehörige sich auf die diplomatische Immunität beruft. Und das ist dann
auch das Stichwort, zum großen Auftritt der Hauptperson, Major Motoko Kusanagi,
ein Cyborg bei dem nur noch das Gehirn menschlich ist. Sie erschießt den Diplomaten kurzerhand
und verdünnisiert sich danach. An dieser Stelle folgt dann der wunderbar gelungene
Vorspann. Danach geht es um die
Verfolgung eines Kriminellen, den man Puppetmaster getauft hat. Er ist in der
Lage sich über das Netz direkt in das Gehirn eines Menschen einzuhacken, um ihn
dann manipulieren zu können. Also dieser Puppetmaster lässt die Puppen tanzen und
unser Major Kusanagi muss, mit ihrer Sektion 9 (Ministerium für Innere
Angelegenheiten), mittanzen. Seltsamerweise stellt er sich dann auf einmal
doch,
mehr oder weniger freiwillig. Sein Geist steckt im Körper eines weiblichen Cyborg. Der Körper
wird gerade im Labor
von Sektion 9 untersucht als die Jungs vom Außenministerium
(Sektion 6) reinschneien und verlangen das der Körper an sie übergeben
wird. Da eröffnet der Cyborgkörper der versammelten Mannschaft (also Sektion
9 und 6) das er kein einfacher krimineller Hacker ist sondern eine Intelligenz
die im Netz entstanden ist und ein eigenes Bewusstsein entwickelt hat. Und das er das
geheime Projekt 2501
ist, um das es am Anfang des Films ging. Dieses Projekt wurde von Sektion 6 entwickelt, um damit zum Beispiel Regierungen oder Unternehmen ausspionieren und manipulieren zu können.
Da das anscheinend immer noch illegal ist, versucht Sektion 6 auch
alles, um ihr außer Kontrolle geratenes Experiment wieder zurückzubekommen, um
dann wahrscheinlich, die ganze Sache vertuschen zu können. Was folgt ist eine Verfolgungsjagd in der
Major Kusanagi alles versucht, um auf eigene Faust mit dem Puppetmaster direkt
in Kontakt zu treten. Denn der ist früher schon, über das Netz, in Kontakt mit dem
Major getreten und hat dabei wohl festgestellt, das der Major, der sich sehr für die existenziellen
Fragen interessiert, prädestiniert für eine spirituelle Verbindung
ist. O.k., damit das ganze hier nicht noch länger wird, kürz ich das jetzt
hier etwas ab. Vielleicht reicht es, wenn ich sage, dass der Major zum Schluss seinen Willen
bekommt, und das Ganze auch, mehr oder weniger, überlebt. (Diese Ausführliche Inhaltsangabe, na gut
vielleicht ein bisschen sehr ausführlich, von mir ist
mir übrigens wichtig, da es sonst immer irgendwie so aussieht als ob man gar nicht
verstanden hat, um was es eigentlich ging. Das heißt aber nicht unbedingt das
ich es immer richtig verstanden habe. Ich lass mich gern korrigieren. Wer
übrigens etwas gegen Spoiler hat sollte meinen ersten Absatz einfach
grundsätzlich überspringen)
Also wer sich mal die Namen ansieht, die an dieser Produktion beteiligt waren,
wird wohl auch zu dem Schluss kommen, dass hier genügend Geld zur Verfügung
gestanden hat. Und in der tat ist es eine Millionen - Dollar - Produktion
gewesen. Nicht das ich etwas gegen Millionen - Dollar - Produktionen hätte, aber
hier könnte der Grund liegen warum dieser Anime nicht so aussieht, wie er
hätte aussehen sollen. Ich sage es
lieber gleich, ich bin ein Shirow - Fan und als solcher kannte ich den Originalmanga
vor dem Anime. Und was ich leider feststellen musste, ist dass wo Shirow
draufsteht nicht auch zwangsläufig Shirow drin seien muss. Dabei geht es mir gar nicht
mal unbedingt nur um das Charakterdesign. Und ich bin auch nicht der Meinung das
die Story nicht umfangreich genug ist. Aber wie die Geschichte präsentiert wird,
hat so gar nichts mit der Ursprünglichen, von Shirow, zu tun. Das liegt meiner
Meinung nach an einem zweiten Mann der für die Realisierung dieser Produktion
zuständig war. Mamoru Oshii war der Regisseur des Films. Jemand der im Moment
wohl, zu recht, der angesagteste Mann ist, wenn es um anspruchsvolle Anime -
Spielfilme in Japan geht. Jemand der mit seinen Patlabor - Spielfilmen zwei
geniale Animes abgeliefert hatte. Aber das ist eine andere Review. Das Problem
hier ist meiner Meinung nach, das hier zwei völlig unterschiedliche
Stile, zweier ohne Zweifel genialer Erzähler,
aufeinandertreffen. Nämlich
der analytisch, technokratische und vor allem sehr Nüchterne von Oshii
und dagegen der eher unreale, öfter mal übertreibende und vor
allem eher klassisch japanisch - dynamische Stil von Shirow. Diese beiden total
unterschiedlichen Stile führen zu einer völlig unterschiedlichen
Auffassung in der Art wie und auch was für eine Geschichte erzählt werden
sollte. Ghost in the Shell wurde einfach nicht als brechernste und
melancholische Geschichte konzipiert. Die Figuren von Oshii wirken
in diesem Film irgendwie fehl am Platz. Man hat das Gefühl, als ob sie alle an
einer Art kollektiven Depression leiden. Im ganzen Film gibt es nicht eine halbwegs komische Situation, nicht
eine witzige Bemerkung oder ein unkontrollierter Wutausbruch, Sachen die essentiell für Shirow
- Storys sind. Dadurch drückt Shirow doch irgendwie auch aus, dass er selbst seine
Geschichten nicht immer all zu ernst nimmt. Und eventuelle Übereinstimmungen mit anderen
Storys fallen dadurch auch nicht so stark ins Gewicht. Im Manga versucht Shirow alles einzubauen
was nur halbwegs etwas mit Cyberpunk zu tun hat. Und das stürzt er dann in das
für Shirow so typische kontrollierte Chaos, dass er einfach Meisterhaft beherrscht.
Seine Hauptfiguren beschäftigen sich einfach nicht permanent mit "sein oder
nicht sein", sie sind überdreht, jähzornig, emotional und verrückt. In der
Animeversion von Oshii wird zwar brav die
Geschichte des Mangas erzählt, aber (es schmerzt mich das sagen zu
müssen) seine Figuren wirken wie
Schaufensterpuppen, deren Schicksal einem als Zuschauer völlig egal ist. Oshii
hat nun mal eine völlig andere Auffassung davon wie sich Charaktere verhalten
sollen. Und auch dass hier der Egotrip einer einzelnen Person so im Mittelpunkt steht,
ist wahrscheinlich gar nicht nach seinem Geschmack. Ich glaube das bei Oshii die
Geschichte mehr die Charaktere dominiert und das es bei Shirow eher umgedreht
ist. Also ich finde man sollte Oshii seine Geschichten erzählen lassen und Shirow seine. Man sollte dem einem nicht die
Geschichte des anderen
aufzwingen. Man hat versucht einen Anime - Blockbuster zu produzieren, indem man einfach den
momentan besten Manga genommen hat und dazu den besten Regisseur verpflichtete.
Leider muss
dabei nicht zwangsläufig am Ende auch etwas Gutes herauskommen. Ein bisschen mehr
Sensibilität der Produzenten bei der Verwendung von zwei solchen Icons wäre hier
wohl cleverer gewesen (auch wenn Shirow vielleicht Oshii selber, als Regisseur für seine
Story vorgeschlagen haben sollte). Es ist meiner Meinung nach einfach die Vergeudung
einer guten Vorlage und eines großen technischen Aufwandes. Mit dem Geld hätte
man bestimmt zwei gute Filme machen können wo, Mamoru Oshii sich eine für ihn
bessere Geschichte hätte aussuchen können und man für Shirow `s Story jemand
hätte finden können, der dazu ein bisschen mehr Draht gehabt hätte . Aber
hätte, wäre, wenn, ist nun mal nicht.
So, was soll ich jetzt noch über das Charakterdesign sagen? Der Film ist
handwerklich professionell und perfekt in Szene gesetzt, im typischen Mamoru Oshii
Stil. Leider ist es das einzigste
was man am Schluss des Films dann sagen kann - professionell Inszeniert. Aber das
Charakterdesign hat meiner Meinung nach, genau wie auch die Umsetzung der Story,
ihr Ziel verfehlt. Wo ist mein
Major Kusanagi!? Ich meine diese geniale Shirow-Idol-Figur mit diesen typischen Proportionen
an denen die Kleidung an den richtigen Stellen spannt und knittert. Die Figur von Mamoru Oshii (oder besser vielleicht Hiroyuki
Okiura) besitzt nicht mehr den kleinsten Sexappeal, sie sieht aus wie eine Art
weiblicher Schwarzenegger - Terminator (manchen gefällt so was ja, mir
jedenfalls nicht). Für jemanden der den Manga vorher
gelesen hat, sind die Charadesigns, des Animes, einfach unerträglich. Glücklich diejenigen
die den Manga und Masamune Shirow nicht kennen oder nicht gut
finden. Vielleicht können Leute die mit Anime eigentlich nichts am Hut haben
mit diesem Film auch mehr anfangen. Aber für mich war diese Animeversion, die
ich herbeigesehnt hatte, einfach nur eine Enttäuschung. Besonders was das Charakterdesign angeht. Falls man übrigens wissen möchte wie
der Anime eigentlich hätte aussehen sollen (und das betrifft nicht nur das
Charadesign), kann man sich, das auch bei uns erhältliche, Playstationspiel
ansehen. Das enthält genau das was ich gewollt hätte. Aber was soll `s, man
kann nun mal nicht alles haben und deswegen komme ich jetzt auch sofort zu
meiner Urteilsverkündung.
Währe ich jetzt objektiv würde ich wahrscheinlich sagen müssen das der Film eigentlich
gar
nicht so schlecht ist. Die Story ist anspruchsvoll, der finanzielle und, damit
einhergehende, technische Aufwand
beeindruckend. Aber ich hasse Objektivität, denn sie bringt, demjenigen der
eine Review liest, überhaupt nichts. In der Zeitschrift (AnimaniA) wird der Film, in
Ausgabe 9, trotz einiger Kritik, als wahrlich sehenswert bezeichnet.
Unter anderem wird dort, als erstes pro, die Ähnlichkeit zu dem Roman von William Gibson angebracht.
Meiner Meinung nach wirken, durch den Anime, die stellenweise frappierend
auffallenden Ähnlichkeiten eher entlarvend und lassen somit den Film noch unorigineller
erscheinen. Und auch wenn es der erste Anime - Video - Release gewesen ist, der
die #1 der US Billboard Charts erreicht hat und es auch sonst kaum wirklich
negative Meinungen gegeben hat, heißt es nicht, das man keine Ahnung hat, wenn
man diesen Anime mal nicht in den Himmel lobt. Ich will ja auch nicht sagen das
Ghost in the Shell schlecht ist aber es ist nun mal auch kein Meisterwerk, das
man unbedingt gesehen haben muss. Der Titel profitiert, meiner Meinung nach, von
einem typischen Blockbuster - Hyp, mit dem er es auch tatsächlich bis in den
Mainstream geschafft hat. Es ist mir dabei völlig egal ob etwas nun Mainstream
ist oder nicht, für mich ist nur das gut oder schlecht wichtig. Die
Titel die Manga Video im Rahmen ihrer Cyberpunk Collektion herausgebracht hat, gefallen mir
einfach wesentlich besser. Der Anime, Ghost in the Shell, ist eigentlich keiner der einem länger im Gedächtnis bleibt und deswegen
letzten Endes auch einfach nur durchschnitt.
Ich habe die englisch synchronisierte PAL - Fassung gesehen. Es ist nichts an
ihr auszusetzen. Die Musik ist übrigens nicht, wie im Artikel der AnimaniA
vermutet wurde, teilweise von U2, sondern doch ausschließlich die Originale. Eine Besonderheit beim
Vertrieb dieses Animes, ist dass es ein deutsches Release für die englisch
synchronisierte Version gibt. Es wird von Manga Video, in Verbindung mit
PolyGram Video, herausgebracht. Aber auch eine deutsche Synchro wird angeboten, die aber
wahrscheinlich mit Vorsicht zu genießen ist, da selbst bei der Berlinale die
englische Dub bevorzugt wurde. Ich selbst habe die deutschsprachige
Version noch nicht gesehen. Eine weitere Vertriebsbesonderheit ist das Manga Video, mit
der Hilfe von
jemanden namens Wamdue Project, jetzt kostenlos in (den Musiksendern) der ganzen Welt für
sich und diesen Film Werbung machen kann. In den USA gibt es dann auf alle
Fälle auch eine untertitelte Version und sogar eine Special Edition mit einem
halbstündigen Making of. Es ist aber mittlerweile wohl auch so das eine
untertitelte PAL - Fassung bei Manga Video UK erhältlich ist. Den Manga gibt es von Ehapa auf deutsch, in 3 Bänden,
und von Dark Horse auf englisch, in einem Stück. In beiden Mangaversionen
fehlen übrigens die drei ominösen Seiten. Die Szenen,
in diesen Seiten, sollen übrigens eine Art Nebenverdienst von Kusanagi
darstellen, damit sie die Kosten für ihren künstlichen Luxuskörper vielleicht
irgendwie
decken kann (Shirow `s Interpretation von Cybersex eben). Ich verzichte jetzt
hier mal auf weitere Inhaltsdetails der Seiten. In der holländischen Version sind
sie auf alle Fälle enthalten. Na ja,
die Holländer sind ja in so manchen Dingen nicht so penibel wie wir. Ich
könnte mir aber, zum Beispiel, auch vorstellen das die Seiten bei den Franzosen auch drin
sind.
Titel:
Ghost in the Shell (Kôkaku Kidô-Tai)
Produktion: © 1995 Masamune Shirow/ Kodansha
Ltd./Bandai Visual Co., Ltd./ Manga Entertainment Ltd.
Spieldauer: 79 min
Version: dubbed, PAL, 15
Distributor: © 1996 Kodansha
Ltd./Bandai Visual Co., Ltd./ Manga Entertainment Ltd.
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