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Titel:
Perfect Blue (Perfect Blue)
Produktion: © 1997 Rex Entertainment Co., Ltd.
Spieldauer: 79 min
Version: dubbed, PAL, 18
Distributor: © 1998 Manga Entertainment Ltd.
Review 005, vom 31. 07. 00
O.k., ich habe mich wieder mal aufgerafft eine Review zu schreiben. Ich
möchte mich für den langen Cliffhanger in diesem Bereich entschuldigen, mir
ist da ein Semester Informatik dazwischen gekommen, aber wen interessiert das
schon.
Im vergangenen Monat war ein denkwürdiger Tag für den Anime. Der Film "Perfect
Blue" kam am 6.7.00 offiziell in die deutschen Kinos.
Aber bevor ich anfange zu preisen, erst mal der Handlungsinhalt. Der Film spielt in der Gegenwart
und enthält mal keine Science Fiktion- oder Fantasyelemente. Im Mittelpunkt der
Geschichte steht die Popsängerin Mima, die ihre Karriere als Pop-Idol
"Mimarin" beenden
will, um eine Schauspielerin zu werden. Eine Entscheidung die Mima nicht
leicht fällt, aber ihr Manager ist von ihrem Erfolg als Schauspielerin
überzeugt. Und deswegen muss sie ihre Popgruppe so schnell wie möglich
verlassen, um sich ganz ihrer neuen Schauspielkarriere widmen zu können, was
sie dann auch gleich zu Beginn des Films tut. Aber damit fangen dann die
Probleme, die Mima und ihrer Umgebung viel Ärger bereiten werden, (um es mal
vorsichtig auszudrücken) an. Mima bekommt eine Rolle, in einer neuen
Psychothriller-TV-Serie. Als sie gerade ihre erste Szene hat explodiert eine an
sie adressierte Briefbombe in den Händen ihres Managers. Das ganze ist zwar ein
ziemlicher Schock für alle Beteiligten, wirft Mima aber noch nicht aus der
Bahn. Außerdem gibt es eine andere Sache die sie etwas ablenkt, und zwar wurde
sie darauf aufmerksam das in einigen ihrer Fanpostbriefe stand, dass der
Betreffende mit ihrer Wohnung ("Mima `s Room") verbunden (linked) ist und sie
immer beobachtet. Ihre gute Freundin und Betreuerin vom Management, Rumi, mit der Mima
sehr oft zusammen ist und die sich auch des öfteren schon mal lautstark mit dem
Manager um Mima `s Karriere streitet, erklärt ihr dann dass das ganze mit dem
Internet zu tun hat und dass es sich bei "Mima `s Room" um eine Internetseite
handelt. Sie hilft Mima dann auch gleich einen Computer zu kaufen und sich mit dem
Internet vertraut zu machen. Mima findet dann auch sehr schnell die besagte Seite
und stellt fest das sie detaillierte Informationen über ihren gesamten Tagesablauf
(als Pop-Idol), aus der Ich-Perspektive, enthält. Etwas erschreckend für
sie sind dabei nur die enormen Übereinstimmungen mit ihrem tatsächlichen Leben. Mima hat aber keine Zeit sich länger darüber Gedanken zu
machen. Weil sie ja inzwischen kein Pop-Idol mehr ist, wird sie vom Autor, der TV-Serie, stärker in die Handlung
eingebaut, und soll schließlich als Täterin der Mordserie in der
Serienhandlung enden. Ein Problem hierbei ist dass das Script eine Vergewaltigungsszene,
mit Mima, als Schlüssel zur Plotänderung vorsieht. Das nimmt alle sehr stark mit, neben
Mima selbst, vor allem Rumi.
Von jetzt an noch eine vernünftige, chronologische Nacherzählung zu schreiben ist fast unmöglich, da sich die Ereignisse beginnen
zu überschlagen. Also, Mima fängt an zu halluzinieren und ein Abbild ihrer alten
Pop-Idol-Identität beginnt sie zu verfolgen. Sie wird zu einem Fotoshooting
überredet, auf dessen Bildern zum Schluss alles zu sehen ist, was Mima sich auch
ganz anders vorgestellt hat. Schließlich wird der Autor der TV-Serie und
der Photograph ermordet aufgefunden. Außerdem bemerkt Mima einen seltsamen
Fan der sie zu verfolgen scheint. Eine weitere Belastung ist die
Internetseite, auf der sie liest wie unzufrieden ihr fiktiver Pop-Idol-Charakter
über die derzeitige Karriere von Mima ist. All das führt dazu das Mima allmählich
den Verstand verliert und kaum noch zwischen Realität und Fiktion unterscheiden
kann. Das ganze gipfelt in einem Überfall, durch den seltsamen Fan, der seine
Anweisungen ebenfalls von dem Betreiber der Internetseite zu bekommen scheint.
Nachdem sie ihm entkommen ist, läuft sie geradewegs ihrer Freundin, Rumi, in die Arme,
die sie dann aber nicht zu ihr sondern zu sich nach Hause bringt. Als Mima
wieder zu sich kommt, glaubt sie erst zu Hause zu sein, muss dann aber
feststellen das sie in einer detaillierten Kopie ihres eigenen Zimmers ist. Und
schon steht auch ihre Freundin mit Perücke und Kostüm in der Tür um sie für
ihren Verrat an "Mimarin" (dem Pop-Idol) zu bestrafen, sprich
umzubringen. Nach einer wilden Verfolgungsjagd, bei der sich beide sehr stark gegenseitig
verletzen, rettet Mima ihrer wahnsinnigen Freundin doch zum Schluss das Leben. Nach
diesen Geschehnissen, scheint Mima, am Ende, wieder voll zu sich selbst gefunden zu haben und
besucht
trotz dem, was sie ihr angetan hat, ihre ehemalige, offenbar doch extrem
gestörte, Freundin in der
Nervenheilanstalt.
Also das ist die Story. Aber
so plump und nichtssagend wie
sie nun mal in einer Review so rüber kommt. Und gerade bei diesem Film kann
man kaum beschreiben, mit welcher Brilliganz und Genialität hier zu
werke gegangen wurde. Ich kenne keinen Film in dem das verlieren des Verstandes
besser dargestellt worden ist. Das sich zuspitzen der Situation und vor allem
das nicht mehr unterscheiden können, ob man nun träumt oder wacht, ist wirklich
unglaublich beeindruckend. Die Szenenwechsel, wie die fiktive
Handlung der TV-Serie und der realen Handlung miteinander verschmelzen, sind meiner Meinung nach nicht besser hinzubekommen. Die Charaktere kommen Realen
schon sehr nahe, aber auf der anderen Seite werden hier die Möglichkeiten des
Zeichentrick voll ausgenutzt, denn nur hier konnte man, meiner Meinung nach, diesen Exzess an Schnitten
durchziehen, ohne das der Film konfus wurde. Die Animation bietet hier
die Kontrolle die Satoshi Kon, der Regisseur, gebraucht hat, um seinen Spannungsbogen mit der Präzision
eines Schweizer-Uhrwerks zu inszenieren. Man hatte zu keinem Zeitpunkt das
Gefühl, das Satoshi die Story aus den Händen gleiten würde.
Absolut genial, wie
er mit den Identitäten von Mima, als Pop-Idol, TV-Charakter und realer Person,
spielt. Satoshi Kon, ein Name den man sich auf alle Fälle merken sollte,
speziell in diesem Bereich (Regie). Aber die Hauptstory ist nicht das einzigste
was diesen Anime zu einem Außergewöhnlichen macht. Denn der Film bewegt sich
nämlich dazu auch noch in einer Umgebung die dem Animefan wohl bekannt ist. Es geht
nämlich um die Fanszene, die Otakus, die hier praktisch vorgeführt wird,
in ihrer, nun mal, oft sehr debilinfantilen und teilweise perversen Art. Dieses fanatische
Fantum das teilweise bis zum Exzess betrieben wird, und dazu führt das
Idealvorstellungen projiziert werden, von denen man abhängig wird. - Nichts anderes ist mehr wichtig, nur noch
der Schein. Und obwohl das ein sehr japanisches Phänomen ist, kann man es auch
gut auf die westliche Welt übertragen. Ich meine, wenn man sich einige
Fan-Star-Beziehungen bei uns so ansieht, gibt es doch bemerkenswerte Parallelen. Dieser
Film versucht sich meiner Meinung nach von der normalen Animewelt abzukanzeln,
indem er schonungslos das aufzeigt, was den fanatischen Fan so abstoßend,
in den Augen anderer, macht. Und das ist nun mal oft auch oder gerade für
den Anime-Manga-Fan charakteristisch.
Satoshi Kon hat auch beim Charakterdesign nichts dem
Zufall überlassen, denn neben Hideki Hamazu ist er auch hier an dem Projekt
beteiligt gewesen. Das Charadesign ist unaufdringlich, aber bei weitem nicht
schlicht. Es ist detailliert und realistisch, und das von beeindruckender Qualität. Wie
weit der Stil vom normalen Anime entfernt ist, zeigt zum Beispiel die Szene in dem Kiosk,
wo ein großformatiger Animecharakter auf einem Poster zu sehen ist, mit
den typischen Riesenglotzern und dem Kindgesicht eben. Dazu kommen die aufwändigen Hintergründe,
wie die Betonwüste von Tokyo oder Mimas Wohnungseinrichtung.
Speziell mit dieser typisch kleinen japanischen Wohnung, die nicht viel mehr als
ein Zimmer ist, wird, glaube ich, auch gezeigt, wie wenig ´besonders´ es im
heutigen Japan ist, eine Idolsängerin zu sein. Sie muss einfach hauptsächlich
für ihr Management arbeiten und unterscheidet sich, was das angeht, fast kaum noch von einem
normalen Angestellten. Vor allem beeindruckten mich die, für einen Anime,
teilweise ungewöhnlich wirkenden Szenen, wie zum Beispiel das fokussieren des
Aufschlagens von Mimas Hand auf dem Türrahmen des Autos, gleich am Anfang, oder
die Geräusche, wenn sie über den Teppichboden ihrer Wohnung läuft. Das sind
eigentlich, ja schon, Stilmittel die man sonst, so, nicht in einem Anime sieht.
Hier wusste man ganz genau welchen Effekt man erzielen wollte, und letztendlich
auch erzielt hat. Für die brillante Umsetzung zeichnet sich hier das Studio Madhouse
verantwortlich, dass ja schon einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hat, und
das mit diesem Film sein absolutes Meisterstück abgeliefert hat.
Das ist
eindeutig kein Film den man mal eben so nebenher laufen
lassen kann, hier muss man sich konzentrieren. Es ist einfach kein gewöhnlicher Anime.
Es gibt hier keine trashig wirkenden Sentimentalitäten, oder pathetisches Gesülze.
Dieser Film ist wirklich starker Tobak, emotional enorm anstrengend, für mich
zu mindest. Ich meine ich war wirklich echt erleichtert, das sich Mima bei dem
Überfall des Fans noch "rauswinden" konnte. (Also das ging mir wirklich echt an
die Nieren.) Das einzig wertende, das ich aus dem Artikel der AnimaniA
herauslesen konnte, war das es ein faszinierendes Neu-Release ist und ein
ausführlicherer Artikel folgen soll. Etwas seltsam ist das in der Zeitschrift bis
heute nur die halbe Seite der Ausgabe 21 erschienen ist. (nun ja,
vielleicht ja auch nicht, schließlich wird der Film von Manga Video vertrieben (Moment!
... Ich muss mich korrigieren. Es gab den angekündigten ausführlichen Artikel
doch schon, und zwar in Ausgabe 33) na super, Stümper, ich dachte Du ließt
das Zeug. (nun ja, die
Artikelübersicht eben) So ne Scheiße, dadurch steh ich jetzt da wie ein
Idiot. (Aber...,du bist doch ein Idiot) [-Boijoijoing-]) Egal, jedenfalls wurde der Film, dadurch das er im ganz offiziellen Kinoprogramm
aufgetaucht ist, auch von der Kinosendung "Muwie" (B1), die
einzigste Kinosendung im deutschen Fernsehen die nicht an eine Dauerwerbesendung
erinnert, betrachtet. Dort war das Urteil: "Geheimtipp, eines Genres was noch zu
entdecken ist". Sogar in der Fernsehzeitschrift "TV Movie" war ein kleiner Artikel
zu dem Film. Auch hier gab's den Geheimtippstern, und es wurde erwähnt das der
Film bereits erfolgreich auf internationalen Festivals lief. Gut, für die Mainstreampresse ist der Film vielleicht ein Geheimtipp, aber für
mich, als Animefan, ist der Film, genau wie es die
Produktionsfirma auch propagiert
hat, ein Meilenstein des Anime. Das ist kein Geheimtipp, sondern die
Hauptveranstaltung. Es gibt bisher, meiner Meinung nach, nichts vergleichbares.
Und das wird es wohl auch in naher Zukunft nicht so bald geben, da die
Messlatte hier doch sehr hoch gehängt wurde. Und man sollte auch nicht das
Risiko für die Produzenten unterschätzten, ich meine jetzt in Japan, mit einem solchen Film an den Start
zu gehen, der sich nur schwer richtig einordnen lässt, und vor allem kein
Mainstream-Anime ist und dazu auch noch sozialkritische Elemente enthält. Aber
natürlich bringen gerade solche Filme die internationale Presse mal dazu sich
ernsthaft mit einem Anime auseinander zusetzen. Wenn
man sich allerdings so die gesammelten Kritiken aus aller
Welt, die Manga Video auf ihrer
Internetseite und in kurzen Zitaten auch auf der Kassettenhülle präsentiert,
so ansieht, hat man irgendwie das Gefühl als ob Satoshi nichts weiter gemacht
hat, als sich bei den Altmeistern, Hitchcock, de Palma und Polanski, zu
bedienen. Aber was die Altmeister hauptsächlich ausmacht ist ihr jeweils einmaliger Stil
und das ist es auch was den Film von Satoshi Kon ausmacht. Also ich vergebe
meine 5 Sterne bestimmt nicht an jeden erstbesten Anime, aber wenn dieser Film kein geniales
Meisterwerk ist, dann hab ich keine Ahnung.
Der 6.7.00 ist nicht das erste mal das dieser Film in einem deutschen Kino
gezeigt wurde. Zum ersten mal lief der Film am 16.2.98, und zwar um 22.45 Uhr im
Zoo-Palast Berlin im Forum der Berlinale, damals natürlich noch mit englischen
Untertiteln. Aber zum offiziellen Kinostart bekam der Film von seinem deutschen
Vertrieb (rem-rapideyemovies) eine deutsche Synchro verpasst. Und die
Ausschnitte die ich bei Muwie gesehen habe waren durchaus nicht schlecht. Leider,
zumindest für den deutschen Vertrieb, ist der Film in Großbritannien bereits
über ein halbes Jahr auf Video draußen und jeder halbwegs anspruchsvolle
Anime-Fan hat den Film bereits zu Hause stehen (falls er sich mit Videotapes noch abgibt). Die englische Synchro ist in Ordnung. Auch wenn die
Originalmusik größtenteils durch Eigenproduktionen ausgetauscht wurde, ist sie
noch erträglich. Trotzdem ist dies ein Anime bei dem ich die Originalsynchro,
der Englischen vorziehen würde, da die Story einfach sehr Japanspezifisch ist,
ich meine Pop-Idols im Rüschenkleid etc., und da ist die Originalmusik in gewisser
Weise auch ein wichtiger Bestandteil. Was ich leider nicht genau sagen kann ist,
inwieweit oder ob überhaupt die jeweilige Version geschnitten ist oder nicht. Obwohl ich im
Vergleich zwischen einer englischen und einer japanischen
Originalfassung keine Unterschiede feststellen konnte. Die 90 Minuten, die auf der
UK-Kassette stehen, sind jedenfalls ein Druckfehler. Da hat man mal
wieder die Werbetrailer mitgerechnet. Mit meinem Zählwerk komme ich jedenfalls
auf knapp 79 Minuten. Auf der "rem"-Hompage stehen 83- und in der TV
Movie 81 Minuten. Also ich könnte mir vorstellen das das ganze eine Frage der
Eichung ist, aber ich weiß es nicht. So, ich glaube mehr fällt mir
jetzt nicht ein. Ach ja, eins ist vielleicht noch wichtig. Die Geschichte basiert nicht auf einer
Mangavorlage sondern auf einem Roman von Yoshikazu Takeuchi. Ich glaube aber
nicht das er bereits außerhalb Japans erschienen ist.
Titel:
Perfect Blue (Perfect Blue)
Produktion: © 1997 Rex Entertainment Co., Ltd.
Spieldauer: 79 min
Version: dubbed, PAL, 18
Distributor: © 1998 Manga Entertainment Ltd.
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